Eva Steiner
Hundetrainerin HIK
Trainingsspezialist Hund 
BLV anerkannte SKN Ausbildnerin
und NHB Fachperson
Tierkinesiologin NGL


eva.steiner@dogmind.ch
079 577 81 75

Kirchdorfstr. 3
3629 Jaberg

Das ist doch kein Hund!

Angefangen hat alles mit einem "dummen" Spruch einer Hundetrainerkollegin am Stammtisch in Österreich. Lasst mich dazu etwas ausholen. Wir waren die Schweizer Truppe, fünf hundeverrückte Trainerinnen welche sich zweimal jährlich für die Trainerausbildung in Dornbirn, im Hotel Krönele in Lustenau trafen. (Übrigens hier eine absolute Empfehlung für Hotel und Küche!) Fünf Tage lang trainierten wir von morgens bis abends und freuten uns bereits den ganzen Tag auf das allabendliche Gelage im Hotel. Der Stammtisch war immer schon brav reserviert, nur noch kurz die Hunde in den Zimmern mit allem nötigen versorgen und dann trudelten wir ein. Obwohl ich die Mädels unter dem Jahr sonst nie traf, waren wir immer sofort eine eingeschossene Truppe die weder Kohlehydrate noch Alkohol scheuten. Die Diskussionen drehten sich natürlich zu 90 Prozent um Hunde. Über die restlichen zehn Prozent muss ich schweigen oder mir eine neue Identität zulegen.

Irgendwann philosophierte ich weissweingeschwängert über die Hunderasse, welche ich mir als nächsten "Partner mit der kalten Schnauze" vorstellen könnte. Allerdings war ich mir da ziemlich unschlüssig.  Vom Toller

zum Pudel, vom Bordercollie zum Portugiesen, alles war irgendwie nett, mehr aber eben auch nicht. Irgendwann

meinte Carmen resolut; "Eva, du brauchst einen Gorki!" (und echt - sie sagte GORKI!) Natürlich ahnte ich, dass sie von einem Corgi sprach, den durch die Queen bekannten, bodentiefen, unförmigen, figurlosen, kurz- oder langschwänzigen, kläffenden, überlangen, umdimensionierten Hunden mit Fledermausohren und krummen Kartoffelstampfern die man auch ganz gerne Mal mit einem TOASTBROT vergleicht. HÄ?! Das tat schon fast weh. Sowas würde ich noch nicht mal HUND nennen! Ich lachte sie aus! NIEMALS käme mir ein Corgi ins Haus!!! Carmen blieb gelassen, zückte ihr Handy und den Rest des Abends verbrachten wir mit Videos von Topi the Corgi, einem Pembroke Corgi der zu Weltruhm kam mit einem Instagram Account und großem schauspielerischem Talent. Einmal Topi auf Tinder, der leider die gleichen Erfahrungen mit Dating-Apps machen musste wie ich. Ich fühlte mich diesem Hund sofort nahe.
Einmal Topi als Klinikarzt - der Kerl konnte sogar Ultraschallaufnahmen an einem Teddy machen! Ich war begeistert, ein Wunder! Von der anschließenden Operation am offenen Teddybauch will ich gar nicht erst anfangen. Einmal Topi als CopDog, mein blutrünstiges Krimigen schrie laut hurraaaa! Dennoch gab ich mir nicht an Ort und Stelle die Blöße von meiner Anti-Corgi-Meinung abzuweichen, keinen Millimeter!

Kaum im Hotelbett, zückte ich mein Handy und sog alles, was ich auf die schnell über Corgis finden konnte, wie ein ausgetrockneter Schwamm ein. Wahrscheinlich setzte mein Promillegehalt im Blut meine Hirnreizschwelle tiefer an und der Corgi konnte hindernislos jede Nervenzelle meines Gehirns (und Herzens) infiltrieren. Es muss so gewesen sein, ich schwöre, anders kann ich es mir nicht vorstellen, ehrlich! Von dem Moment an wusste mein Unterbewusstsein, ich wollte einen Corgi! Mein Bewusstsein zierte sich allerdings noch ein bisschen. Ein Corgi - das ist peinlich! Ein Corgi - das ist unmännlich (hüstel). Ein Corgi - das ist unter meinem Niveau. Ein Corgi - das ist doch immer noch kein richtiger Hund! Werde ich als Hundehalter und v.a. als Hundetrainerin noch ernst genommen wenn ich mich in der Öffentlichkeit mit einem Corgi zeige? Kann ich einen Corgi mit auf den Hundeplatz nehmen ohne meine Stammkunden zu verlieren?
Ich war psychologisch, physiologisch und ergonomisch zweigeteilt; das Herz war verliebt, der Verstand kurz vor'm endgültigen Kollaps, irgendwann ist ja auch mal gut!

Als ich nach fünf Tagen Training in Österreich Corgischwärmend nach Hause kam, versuchte ich äußerst vorsichtig - man hatte ich Panik davor - Remos Feedback für das Thema zu erfassen. Ich machte mich ein wenig über Carmens Idee lustig, gleichzeitig lobte ich das Talent des Hundes und zeigte ihm ein paar Filmchen. Immer mit dem Blick auf seine Mimik, sprach da Entsetzen, Langeweile oder gar Mitleid aus dem Gesicht? Würde er mich nun mit anderen Augen sehen? Würde er sich enttäuscht von mir abwenden mit dem Gedanken, sich schamlos in meiner Persönlichkeit geirrt zu haben? Mein schauspielerisches Talent schien jedoch dem von Topi gewachsen zu sein, Remo zog sich die Videos rein, lachte an den richtigen Stellen und damit war das Thema durch. Von meiner inneren Zerrissenheit merkte er nichts. Ich musste meine Strategie ändern, aber erstmal nur im Kopf und für mich allein.